Sommerzeit abschaffen – Pro und Contra

Sonnenaufgang über einer Stadt.
Nach der Zeitumstellung im Frühjahr fällt der Weg zur Arbeit vielen schwerer als gewohnt (Foto: Pixabay)

Ende des Monats beginnt die Sommerzeit. Die Uhr wird wieder eine Stunde – von zwei auf drei Uhr – vorgestellt. Begleitet von müdem Gähnen, wird alljährlich über Pro und Contra der Sommerzeit diskutiert.

Den ersten Arbeitstag nach der Zeitumstellung meistert nicht jeder so galant wie erhofft. Die fehlende Stunde macht sich bemerkbar: Konzentrationsstörungen, Gereiztheit, Müdigkeit, Erschöpfung – sogar depressive Verstimmungen können Folge des Wechsels von Winter- auf Sommerzeit sein. Diese Symptome werden als Mini-Jetlag bezeichnet. Knapp 508 Millionen EU-Bürger wechseln seit 1996 jedes Jahr im März einheitlich die Zeitzone und kehren im Oktober zur Normalzeit zurück. Zumindest die Mehrzahl der Deutschen hält die Zeitumstellung nicht für sinnvoll und möchte sie gerne abschaffen.

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Mehrheit der Deutschen für Abschaffung der Zeitumstellung

In einer bundesweiten Umfrage der Forsa im Auftrag der DAK-Gesundheit im Jahr 2014 zeigte sich, dass nur 27 Prozent die Umstellung befürworten. Befragt wurden repräsentativ 3.514 Personen. Die Mehrzahl (71 Prozent) hielten sie für überflüssig und waren dafür sie abzuschaffen. Etwa jeder vierte Teilnehmer hatte laut Umfrage schon einmal Probleme mit der Zeitumstellung. 77 Prozent von ihnen fühlten sich müde, 56 Prozent hatten Schlafprobleme und 34 Prozent konnten sich schlechter konzentrieren. Jeder Fünfte kam zu spät zur Arbeit, nachdem die Uhren umgestellt wurden. 31 Prozent waren gereizt und 12 Prozent berichteten von depressiven Verstimmungen. Von denen, die den ständigen Wechsel zwischen Winter- und Sommerzeit überflüssig fanden, favorisierten über die Hälfte (58 Prozent) die dauerhafte Sommerzeit. 37 Prozent bevorzugten die Winterzeit.

Taktlos: Innere Uhr kommt durch Sommerzeit aus dem Gleichgewicht

Uhren
Die Sommerzeit bringt den inneren Taktgeber aus der Balance (Bild: Pixabay)

Wissenschaftler sind sich mittlerweile relativ sicher, dass die Zeitumstellung unsere innere Uhr (wissenschaftlich zirkadianer Rhythmus) aus der Balance bringt. Während der Übergang von der Sommerzeit auf die Normalzeit im Oktober dem inneren Taktgeber keine großen Probleme bereitet, sind nach der Zeitumstellung  im Frühjahr stärkere Effekte zu beobachten.

Der Chronobiologe Till Roenneberg vom Institut für Medizinische Psychologie der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München untersuchte mit drei Kollegen den Einfluss, den die Zeitumstellungen auf unsere innere Uhr haben. Zunächst führte er eine große Fragebogenaktion durch, an der rund 55.000 Personen teilnahmen. Nach Auswertung der Daten beobachteten die Forscher in einer zweiten, kleineren Studie den Schlaf-wach-Rhythmus und die Aktivität von 50 Versuchspersonen. Die Studie dauerte jeweils acht Wochen rund um die Tage vor und nach der Umstellung. Heraus kam: Es ist wenig relevant, wo der Zeiger auf unserem Wecker steht, sondern wann es dämmert.

Der Wechsel zwischen Tag und Nacht ist wichtigster Zeitgeber für den zirkadianen Rhythmus. Wenn im Frühjahr die Uhren auf Sommerzeit umgestellt werden, dämmert es am Morgen bereits. Wird die Uhr eine Stunde vorgestellt, rückt die Dämmerung eine Stunde nach hinten und es ist am Morgen plötzlich wieder dunkel. Die innere Uhr kommt aus dem Takt.

Kinder profitieren von der Sommerzeit

Dennoch gibt es auch Studien, die belegen, dass die Sommerzeit sich nicht nur nachteilig auf den Menschen auswirkt. Anna Goodman und ihre Kollegen von der London School of Hygiene & Tropical Medicine legten 2014 in einer Studie dar, dass die Sommerzeit sich positiv auf die Gesundheit von Kindern auswirken kann. Mehr als 23.000 Kinder in neun Ländern nahmen an der Studie teil. Darunter mehrere europäische Staaten, die USA, Australien und Brasilien. Die Forscher beobachteten ihre Aktivität und die körperliche Bewegung. Im Ergebnis waren die Kinder besonders in Europa und Australien mehr an der frischen Luft und körperlich aktiver, wenn es abends länger hell war. Ähnliches ereignete sich direkt nach der Umstellung auf Sommerzeit im Frühjahr.

Sommerzeit in Deutschland

Gelbe Krokusse in voller Blüte.
Die Sommerzeit gibt es in ihrer heutigen Form seit 1980 in Deutschland (Foto: Pixabay)

Die Sommerzeit gibt es in ihrer heutigen Form seit 1980 in Deutschland. Bereits seit dem Ersten Weltkrieg wurde sie immer mal wieder an- oder abgeschafft. Nach den Ölkrisen in den 70er Jahren fand ein weltweites Umdenken statt. Um Energie einzusparen, sollte das Tageslicht effizienter ausgenutzt werden. Besonders deutlich wird dies am englischen Begriff für die Sommerzeit: „daylight saving time“ (wörtlich übersetzt: Tageslicht sparende Zeit).

 

Hauptargument für die Sommerzeit entkräftet

Untersuchungen, ob durch die Sommerzeit Energie eingespart wird, sind widersprüchlich. Die einen zeigen, dass am Abend weniger Elektrizität für Licht verbraucht wird, andere weisen darauf hin, dass dieser Effekt unter anderem aufgrund der erhöhten Heizkosten in den Morgenstunden verpufft. Zumindest in Deutschland gilt dieses Argument für die Sommerzeit nicht mehr. In einer Stellungnahme des Umweltbundesamtes von 2009 heißt es: „Durch das Vor- und Zurückstellen der Uhren sparen wir keine Energie: Zwar knipsen die Bürgerinnen und Bürger im Sommer abends weniger häufig das Licht an, allerdings heizen sie im Frühjahr und im Herbst in den Morgenstunden auch mehr – das hebt sich gegenseitig auf.“