Arbeitssucht: Definition und Folgen des Workaholismus

Mann tippt auf der Tastatur eines Notebooks.
Schätzungen sprechen von 200.000 bis 400.000 Arbeitssüchtigen in Deutschland (Foto: Pixabay)

Wer arbeitssüchtig ist, bemerkt dies meist nicht. Der Arbeitgeber ist voll des Lobes für seinen fleißigen Mitarbeiter. Überstunden und Wochenendarbeit? Selbstredend! Die Kollegen bewundern den Ehrgeiz und die Power. Arbeitssüchtige gelten als Überflieger, als Leistungsträger auf die die Gesellschaft zählen kann. Während anderen Süchtigen Schwäche unterstellt wird, erhält der Workaholic Respekt.

Arbeitssucht ist gefährlich

Im deutschsprachigen Raum verwendete erstmalig Dr. Gerhard Mentzel, damaliger Ärztlicher Direktor der Hardtwaldklinik II (Bad Zwesten), einer Fachklinik für Psychotherapie und Psychosomatik, 1979 den Ausdruck „Arbeitssucht“. Er folgte damit dem Beispiel seines amerikanischen Kollegens, dem Psychologen Wayne Oates, der den Begriff „workaholism“ prägte. Ebenso wie bei anderen Süchten befindet sich der Betroffene in einem Teufelskreis, den er allein kaum durchbrechen kann. Oftmals ist Workaholics nicht bewusst, dass ihr Arbeitspensum ein normales Maß bei Weitem übersteigt. Und wenn, bemühen sich Arbeitssüchtige häufig, ihre Sucht geheim zu halten. Eine klare Definition, wann jemand süchtig nach Arbeit ist, gibt es nicht. Nicht jeder, der für sein Karriereziel hart arbeitet, ist gleich arbeitssüchtig. Die Grenze zwischen ehrgeizig und exzessiv verläuft fließend. „Wenn Menschen dauerhaft viel und lange arbeiten, deutet dies eher auf Arbeitssucht hin als auf eine gesunde Arbeitsmotivation,“ fasst Prof. Dr. Ute Rademacher, Diplompsychologin und Professorin an der International School of Management (ISM), die aktuellsten psychologischen Erkenntnisse zusammen.

Für einen Arbeitssüchtigen ist der Job der einzige Lebensinhalt

Das Wort "Burnout".
Arbeitssüchtige sind stark Burn-out gefährdet (Bild: Pixabay)

Bereits vor 25 Jahren bestätigte das japanische Arbeitsministerium, dass Workaholismus tödliche Folgen haben kann. Grund sind in den meisten Fällen kardiovaskuläre Erkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall. Die Japaner bezeichnen die dort weitverbreitete Arbeitssucht als Karoshi „Tod durch Überarbeitung“. Zunehmender Leistungsdruck treibt die Menschen auch hierzulande an, immer etwas härter und länger zu arbeiten als die Kollegen. Im Fall der Arbeitssucht verselbstständigt sich dieses Verhalten. „Gesunde“ Menschen empfinden ihren Job als eine Bereicherung des Lebens oder schlicht als eine Notwendigkeit, um ihre Miete zahlen zu können. „Gefährlich wird es erst dann, wenn die Arbeit den einzigen Lebensinhalt darstellt“, so Rademacher, „Freunde und Familie vernachlässigt werden und allein durch die Arbeit Spannungen abgebaut und positive Emotionen und Bestätigung gewonnen wird.“ In der Folge kommt es zunächst zu minderschweren Symptomen wie Kopfschmerzen, Magengeschwüren und Schlafstörungen. Wird der Teufelskreis nicht durchbrochen, können Burnout und Depression bis hin zu einer tödlichen Folgeerkrankung die Konsequenz der Sucht sein. Wie viele Menschen in Deutschland arbeitssüchtig sind, lässt sich nicht genau sagen. Schätzungen sprechen von 200.000 bis 400.000 Betroffenen, was daran liegt, dass weder Workaholismus noch Burnout eine klinische Diagnose darstellen.

Anonyme Arbeitssüchtige helfen Betroffenen

Die Anonymen Arbeitssüchtigen (AAS) sind eine Selbsthilfegruppe, die in vielen Städten vertreten ist. Workaholics finden dort Ansprechpartner und Leidensgenossen. Hier können Betroffene offen über ihre Sucht sprechen. Nach Auffassung der Anonymen Arbeitssüchtigen fallen unter die Arbeitssucht nicht nur das exzessive Zuvielarbeiten, sondern auch das chronische Aufschieben und die Vermeidung von Arbeit. Bei diesem als Prokrastination bezeichneten Krankheitsbild schieben Menschen die anstehenden Aufgaben immer weiter vor sich her, aus Angst vor Misserfolgen. In der Gruppe wird nach Vorbild der 12 Schritte der Anonymen Alkoholiker gearbeitet. Diese wurden der Arbeitssucht entsprechend angepasst. Teilnehmer der Gruppe bleiben, wie der Name schon sagt, anonym.