Digitale Amnesie fördert die Kreativität

Die schiere Menge von Informationen, die sich der moderne Mensch merken muss, überfordert viele. Smartphone und Tablet dienen uns als zweites Gedächtnis. Studien weisen darauf hin, dass Menschen dazu neigen, Informationen, die sie digital abspeichern, zu vergessen. Das Phänomen der digitalen Amnesie wurde vom Sicherheitsunternehmen Kaspersky Lab mehrfach untersucht. Laut der Studie „Digital Amnesia at Work“ hat die digitale Amnesie nicht nur Nachteile, sie kann auch die Basis für kreative Ideen sein.

Glühbirne mit dem Wort "Idee"
Die digitale Amnesie schafft Platz für kreative Ideen (Bild: Pixabay)

Digitale Amnesie macht kreativ

Das Vergessen digital gespeichert Informationen kann sich laut Studie förderlich auf kreative Prozesse auswirken. Die Menge der zu merkenden Informationen überfordert viele Arbeitnehmer. 36 Prozent der Befragten in Deutschland klagen, dass sie weniger kreativ sind, umso mehr Details sie sich merken müssen. Gleichzeitig sind 56 Prozent der Meinung, dass gerade in den Einzelheiten das größte Potenzial für kreative Ideen steckt. In diesem Fall kann sich das Phänomen der digitalen Amnesie positiv auswirken. „Kreativität ist in unserem Arbeitsspeicher, dem Kurzzeitgedächtnis verortet. Dort legen wir vorübergehend alle Informationen zu deren Verarbeitung, Bewertung oder für den Lerneffekt ab“, erklärt Dr. Gorkan Ahmetoglu, Dozent für Arbeitspsychologie am University College London. „Für eine kreative Auswertung dieser Informationen benötigt dieser Arbeitsspeicher jedoch auch die tiefer liegenden Erkenntnisse aus unserem Langzeitgedächtnis“.

Durch die digitalen Notizen entsteht ein großer Wissensschatz aus zusammengetragenen Informationen, die wiederum kreative Einfälle fördern können. 49 Prozent der befragten deutschen Teilnehmer haben die besten Einfälle, wenn sie vormals digital gespeicherte und bereits vergessene Informationen erneut durchgehen. „Oft werden Fakten in unserem Kurzeit-, aber auch im Langzeitgedächtnis verfälscht, vergessen oder nur selektiv erinnert, was die Kreativität behindern kann“, sagt Dr. Ahmetoglu. „Zudem erfordert das Ablegen im Langzeitgedächtnis viel Aufwand. Die einfache und genaue Erfassung, Speicherung und Auswertung von Informationen mit Hilfe mobiler Geräte kann also die individuelle Kreativität fördern.“

Für die Umfrage wurden 2.600 Führungskräfte und Mitarbeiter, darunter 200 in Deutschland, unterschiedlicher Unternehmen befragt. Die Firmen haben ihren Sitz in Deutschland, Frankreich, Italien, Großbritannien, Spanien, Russland, USA, Mexiko, Brasilien, Indien, Singapur und Japan.