Pestizide bis Autolack: Smartphone-App analysiert Inhaltsstoffe

Eine Smartphone-App, die analysiert was wirklich drin steckt. Ist der Apfel „Bio“ oder mit Pestiziden belastet? Ist das Auto unfallfrei, oder verstecken sich unter der Oberfläche mehrere Lackschichten? Mithilfe einer neuen Methode kann die App allein mit der Smartphone-Kamera entsprechende Messungen durchführen. HawkSpex (R) mobile soll Ende dieses Jahres veröffentlicht werden.

Obststand
Beim Obstkauf per Smartphone den Pestizid-Check machen (Bild: Pixabay)

In vielen Alltagssituationen müssen wir uns auf die Aussagen anderer verlassen. Wer weiß schon sicher, ob der Biobauer wirklich nur Bio-Produkte verkauft. Wer gefakten Biogemüse auf die Spur kommen will, der könnte in Zukunft ganz einfach derartige Aussagen überprüfen. Mit der Smartphone-App „HawkSpex (R) mobile“ des Fraunhofer-Instituts für Fabrikbetrieb und -automatisierung IFF, könnte jeder mit seinem Smartphone schon am Obststand den Pestizid-Check machen.

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Unfallschäden mit HawkSpex (R) mobile entlarven

„Es sind so zahlreiche Einsatzbereiche denkbar, dass der Markt uns sicherlich überrennen wird“, sagte Professor Udo Seiffert, Kompetenzfeldleiter am Fraunhofer IFF. Als weiteres Beispiel nennen die Forscher den Kauf eines gebrauchten Autos. Wer schon einmal ein Auto aus zweiter Hand gekauft hat, kennt die Tricks der Verkäufer. Von der Manipulation des Tachostands bis hin zu Lackierungen, um Unfallschäden zu vertuschen, ist alles möglich. Bisher konnte nur ein Check durch einen Profi dem unerfahren Autokäufer helfen. Mit HawkSpex (R) mobile lässt sich zwar nicht jeder Trick entlarven, aber die Smartphone-App kann analysieren, ob mehrere Lackschichten aufgetragen wurden, indem sie vergleicht, ob der Lack an allen Stellen exakt die gleiche Farbe hat – oder ob nachlackiert wurde.

Die Möglichkeit solche Messungen durchzuführen ist nicht neu. Bisher benötigte man teures Zubehör, wie ein Prisma, das vor die Kamera geklemmt werden musste. Das ist unpraktisch und für die meisten nicht alltagstauglich. Die Forscher um Projektleiter Dr. Andreas Herzog haben einen Weg gefunden, diese Messungen ausschließlich mit einer Smartphone-Kamera durchzuführen.

App-Nutzer helfen Anwendungsmöglichkeiten zu erweitern

Frei nach dem Wikipedia-Prinzip können App-Nutzer dazu beitragen, die Einsatzmöglichkeiten von „HawkSpex (R) mobile“ zu erweitern.  „Wenn die App Ende 2017 auf den Markt kommt, können engagierte Nutzer zum großen Ganzen beitragen und neue Anwendungen, zum Beispiel die Beurteilung der Belastung von Salatköpfen mit Pflanzenschutzmitteln, kreieren, indem sie das System für eine solche Fragestellung anlernen“, sagte Seiffert. Dazu müsste ein Nutzer unbelastete und belastete Salatköpfe unterschiedlicher Sorten vermessen. Die Daten würden an das IFF geschickt, geprüft und danach für alle Anwender freigegeben.

Laut eigenen Angaben arbeitet das IFF derzeit mit zahlreichen Unternehmen zusammen. In welcher Form HawkSpex (R) mobile für private Nutzer verfügbar sein wird, ist daher zur Zeit noch unklar und abhängig von den jeweiligen Unternehmen.