Der German Hamster und die Angst

Kolumne

Fühlte sich die große Masse in Deutschland bisher leicht verunsichert, bewirkt die Bundesregierung mit der Veröffentlichung ihres neuen Zivilschutzkonzeptes, dass sich die Angst in den Köpfen manifestiert. Auch wenn auf Twitter der Hashtag „Hamsterkäufe“ den meisten für amüsante Spitzen dient, hinterlässt dieser Aufruf doch eine Spur in den Köpfen. Nach den Gewalttaten in der jüngsten Vergangenheit wird diese Spur mit entsprechendem Engagement zu einer Narbe, die wie man weiß, im besten Fall verblasst.

Hamster im Käfig
Hamsterkäufe: Leben auf Vorrat? (Foto: Pixabay)

Ja  es stimmt, dass Empfehlungen der Regierung sich für den Ernstfall, unter anderem für mehrere Tage zu bevorraten, nicht neu sind. Allerdings wurde dieser Hinweis an die Bevölkerung nie bestimmendes Nachrichtenthema. Warum? Weil die Lage subjektiv nicht so gefährlich war, wie sie aktuell scheint. Das Gefühl der Angst ist selten objektiv, geschürt durch die Fokussierung der Medien auf die negativen Dinge. Was kein Vorwurf ist, positive Ereignisse sind oftmals wesentlich unspektakulärer als die negativen. Zudem verlangen die Menschen über Katastrophen detaillierter informiert zu werden, als über positive Themen. Denn, so scheint es, hoffen wir auf das eine Detail, das uns versichert: „Das hätte mir nicht passieren können.“

Die Veröffentlichung des Konzepts zur zivilen Verteidigung steht kurz bevor. Sinnvoll, dass eine Regierung auf den Ernstfall vorbereitet ist und das zuletzt 1995 aktualisierte Sicherheitskonzept überarbeitet hat. Der Zeitpunkt der geplanten Veröffentlichung bleibt strittig. Ist es wirklich nötig, in einer emotional stark aufgeladenen Stimmung das neue Zivilschutzkonzept zu präsentieren? Nun ist es ohnehin zu spät. Worte wie „Hamsterkäufe“ wabern durch die sozialen Medien. Sie haben sich in den Köpfen der Menschen eingebrannt, bewusst oder unbewusst. Die Bundesregierung zeigt sich wenig empathisch. Der Innenministeriums-Sprecher Johannes Dimroth erklärte am Montag auf der Pressekonferenz der Bundesregierung in Berlin, der Termin der Veröffentlichung sei „die logische Folge der Beendigung eines langjährigen Arbeitsprozesses“. Eine kleine Verschiebung wäre also durchaus möglich gewesen.

Dem anstehenden Wahlkampf der schwächelnden CDU wird es nicht schaden. In unsicheren Zeiten hält der Mensch beharrlich an dem fest, was er kennt. Unnötige Risiken werden vermieden. Jetzt hat die Bundesregierung den German Hamster losgelassen. Viele zeigen sich unbeeindruckt, aber heimlich werden Dosen, Kekse und Klopapier gehortet. Unversehens wird hier und da ein Päckchen mehr gekauft. Man weiß ja nie.

Und wie sieht die Zukunft in Deutschland aus? Wird demnächst beim gemütlichen Abend mit Freunden über zu ergreifende Maßnahmen im Ernstfall diskutiert? Werden regelmäßig die gehorteten Lebensmittel auf Verfallsdatum geprüft und Ablauf-Parties veranstaltet, zu denen jeder seine fast abgelaufenen Vorräte mitbringt? Soll die Angst unser Leben bestimmen, während wir uns krampfhaft an die letzte Klopapierrolle klammern? Die Antwort auf diese Fragen muss jeder für sich selbst beantworten. Ich werde mein Leben leben, kritisch bleiben, abwägen und regelmäßig neu entscheiden müssen, was zu tun ist. Und die Angst, die lasse ich sein, was sie ist. Ein Gefühl in einer Waagschale, deren Gegengewicht soviel schwerer wiegt und dafür sorgt, dass keine Narben entstehen.